Paul Lück

Widerstand

Der Brand des Reichstagsgebäudes in Berlin am 27. Februar 1933, knapp einen Monat nach der Machtübernahme, leitete die ungemein wüste Hetze gegen die Kommunisten ein. Noch in der Brandnacht setzte im gesamten Reichsgebiet eine förmliche Jagd auf Kommunisten ein; Hilfspolizisten waren SA-Leute. Hausdurchsuchungen, Verhaftungen überall; mancher Spitzenfunktionär wurde auf der Flucht erschossen. In Linderhausen wurden Adolf Uellendahl, Ewald Hunsdiek und Anton Wienand verhaftet, in Gevelsberg Rudolf Schlemmer und Gustav Weber.

In jenen Tagen kamen wir sechs Mitglieder der KP zusammen und beschlossen, Widerstand zu leisten, den wir zur Erhaltung des Friedens für eine politische, eine nationale und eine moralische Notwendigkeit hielten.

August Leveringhaus aus Hiddinghausen und ich begannen mit dem Aufbau von Widerstandsgruppen in Linderhausen, Haßlinghausen und Hiddinghausen. In ihnen waren vereint Gewerkschaftler, namhafte Sozialdemokraten, wie Gemeindevorsteher Wilhelm Kraft und Sohn Karl, Naturfreunde, Kommunisten und Antifaschisten.

Im Mai erreichte mich die Schreckensnachricht:

Gustav Heller ist verhaftet! In der Nacht vom 7. zum 8. Juni 1934 kam auch meine Verhaftung, und ich wurde ins Amtshaus nach Haßlinghausen gebracht.

Dort saßen schon mehrere, die ich aus dem Widerstand kannte. In einem größeren Auto wurden wir zu zehn bis zwölf Mann in die berüchtigte Dortmunder Steinwache gebracht.

Quelle: Bürger erinnern sich. Ein Lesebuch für Erwachsene zur hundertjährigen Geschichte der Stadt Gevelsberg, Hrsg. Stadt Gevelsberg 1987