Ausschaltung des Judentums in der Zeit von 1933 bis 1945
Die nationalsozialistische Judenpolitik vollzog sich in verschiedenen Etappen, die sich in folgende Zeitabschnitte einteilen lassen:
1933 bis 1935
Allmähliche Ausschaltung der Juden aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens aufgrund von Verordnungen und Gesetzen. Hier insbesondere wichtig der Erlass des Berufsbeamtengesetzes und dessen Anwendung auf Angestellte und Arbeiter. Damit konnten fast alle jüdischen Bürger aus dem öffentlichen Dienst entfernt werden.
Ebenso dazu gehören der Boykott jüdischer Geschäfte vom 1. April 1933 und die Ausschließung jüdischer Geschäfte von städtischen Gutscheinen durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung von Gevelsberg am 7. April 1933.
1935 bis 1938
Erlass der Nürnberger Gesetze 1935; Einführung des Arierparagraphen bei nahezu allen Berufsgruppen; Entlassung aller Juden aus dem öffentlichen Dienst; Beginn der Zwangsarisierung der Wirtschaft unter Drohung und Erpressung 1937.
1938 bis 1941
Systematische Einschränkung des Lebensbereichs der jüdischen Bevölkerung auf gesetzlicher Grundlage.
Auswanderungsdruck durch Verhaftungswelle Juni 1938 und sog. „Polenaktion“ Oktober 1938.
Novemberpogrom 1938 („Reichskristallnacht“, angezündete und geschändete Synagogen): Zerstörung jüdischen Eigentums; Verhaftung von 26.000 Juden; Ausschaltung aus dem Wirtschaftsleben.
Nach Kriegsausbruch am 1. September 1939 Ausdehnung der judenfeindlichen Maßnahmen auf alle von Deutschland besetzten Länder. Erste Deportationen nach Polen und Südfrankreich. Zwangsarbeit ab dem 4. März 1941; ab Oktober 1941 Auswanderungsverbot.
1941 bis 1945
22.6.1941: Überfall auf die Sowjetunion
31.7.1941: Heydrich wird von Göring mit der organisatorischen Vorbereitung und Durchführung der „Endlösung der Judenfrage“ beauftragt.
19.9.1941: Einführung des „Judensterns“ im Reichsgebiet.
14.10.1941: Beginn der Deportationen aus dem Reichsgebiet.
20.1.1942: Am 20. Januar 1942 trafen sich hochrangige Vertreter des NS-Regimes in einer Villa am Berliner Wannsee, um zu koordinieren, wie die Ermordung der europäischen Juden auf Behördenebene möglichst effizient umgesetzt werden sollte. Das systematische Morden war da bereits von der NS-Führung beschlossen und in vollem Gange. Laut Protokollführer Adolf Eichmann umriss Heydrich seinen Plan so: „…Im Zuge der Endlösung der europäischen Judenfrage kommen rund elf Millionen Juden in Betracht.“
Ab Juli 1942: Beginn der regelmäßigen Selektionen für die Gaskammern in Auschwitz.
Quellen:
Hilde Kammer, Elisabet Bartsch: Lexikon Nationalsozialismus, Reinbek 1999, Rowohlt; kurz: LN
Eberhardt Jäckel, Peter Longerich und Julius H. Schoeps (Hg.): Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, 4 Bände, München und Zürich 1995; kurz: EdH
Thorsten Eitz: Zehn Stigmavokabeln, in: Dossier Sprache und Politik, Bundeszentrale für politische Bildung, http://www.bpb.de/politik/grundfragen/sprache-und- politik/42744/stigmavokabeln (letzter Zugriff am 30.12.2019); kurz: BpB
Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“: Zwangsarbeit 1939–1945, digitales Internet-Archiv, https://www.zwangsarbeit- archiv.de/zwangsarbeit/zwangsarbeit/zwangsarbeit-begriffe/index.html (letzter Zugriff am 30.12.2019); kurz: ZA
Hermann Kinder, Werner Hilgemann: dtv-Atlas zur Weltgeschichte. Karten und chronologischer Abriß. Band 2: Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart. München 1991; kurz: dtv
Deutsches Historisches Museum. LEMO. Lebendiges Museum online. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime
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